The Charaktêres Project

Kurzdarstellung

Zauberzeichen bilden eine formenreiche, bisher nicht gedeutete Gruppe antiker Zeichen, die ausschließlich in Kontexten der Interaktion mit höheren Mächten auftreten und als nicht lesbar oder kryptisch klassifiziert werden. Die frühesten Belege aus dem 1. Jh. n. Chr. sind in griechischer, kurz darauf in hebräischer und lateinischer Sprache aus Griechenland, Großbritannien und Frankreich überliefert, etwa gleichzeitig mit einer griechischen Ritualanleitung aus Ägypten, in der erstmals der antike Fachbegriff Charaktêres in Erscheinung tritt. Bereits im 2. Jh. ist die Verwendung von Zauberzeichen im gesamten Römischen Reich und in Verbindung mit griechischen, ägyptischen, römischen und jüdischen Elementen verbreitet. Seit dem 3. Jh. finden sich die Zeichen in demotischen und koptischen Texten und seit dem 4. Jh. in aramäischen.

Das Ziel des ab 2017 für drei Jahre von der DFG geförderten Projekts ist es, die seit gut 100 Jahren formulierten Forschungslücken mit der Erstellung eines Inventars der Zauberzeichen und der Beantwortung der dringlichsten Fragestellungen zu schließen. Diese umfassen thematisch 1.) den Ursprung, das Vorkommen und die Verbreitung der Zauberzeichen, 2.) ihre Verwendung und Funktion, 3.) ihre Lesbarkeit sowie 4.) die religiösen Kontexte, in denen Zauberzeichen auftreten. Der Weg dahin beginnt bei der erstmaligen Zusammenstellung, Ordnung und Deutung der Quellen zur antiken Zauberzeichenpraxis, zu denen schrifttragende Artefakte, Ritualanleitungen und literarische Texte gehören.

Die Beantwortung der Fragen soll auf dieser Materialbasis aufbauend anhand von fünf Untersuchungen erfolgen. Die erste Untersuchung umfasst statistische Analysen ausgewählter Merkmale der Artefakte mit dem Ziel, belastbare Aussagen insbesondere über die religiösen und sprachlichen Kontexte der Zeichen formulieren zu können. Daran schließt sich die Erstellung und Interpretation parametervariabler Verbreitungskarten zur Unterstützung einer Rekonstruktion des Ursprungs und der Verbreitung der Zeichen an. Die dritte Studie konzentriert sich auf das Vorkommen antiker Fachtermini für Zauberzeichen und die Auswertung der mit ihnen verbundenen Informationen. Die vierte Studie betrifft die Ritualanleitungen, die einen detaillierten Einblick in die Herstellung und Handhabung der Zeichen gewähren und die einzige Quelle bilden, in der auch verbale Ritualkontexte überliefert sind. Ziel ist es, den „Lebenszyklus“ von Zauberzeichen zu rekonstruieren: Von der Herstellung über die rituellen Handlungen, die an ihnen vollzogen werden, bis hin zu ihrer postrituellen Verwendung. Die letzte Studie widmet sich der Frage nach der Lesbarkeit der Zeichen. Dazu sollen die lesbaren Zeichen erstmals zusammengestellt und untersucht werden. Anschließend ist eine computerunterstützte Suche nach wiederholten Sequenzen auf Artefakten unter Einbeziehung der mit den Zauberzeichen kontextualisierten Inhalte für die Rekonstruktion einzelner Bedeutungszuweisungen geplant. Die Untersuchung ist als explorativ und hypothesengenerierend zu verstehen, als ein erster Ansatz, sich der Problematik systematisch anzunähern.

Die fünf Untersuchungen wurden mit dem Ziel zusammengestellt, eine differenzierte Beantwortung der Fragestellungen zu ermöglichen, um so einer einseitigen Interpretation vorzubeugen, wie sie bei bisherigen Arbeiten zu beobachten ist. Die gewonnenen Ergebnisse sollen eine substantielle Grundlage für zukünftige Untersuchungen zur Verfügung stellen, auf die fachübergreifend aufgebaut werden kann.

 

A short history

The Charaktêres Project started in 2008, in 2010 I set up a blog to make the research progress available to everyone who is interested in the topic. I had always worked on the Charaktêres alongside my jobs. Now, in november 2016, I received a grant by the German Research Foundation which means I will be able to focus on the research full time. Thanks to this grant the Charaktêres Project will be situated at the University of Erfurt from January 2017 to December 2019.

In this blog I write about the progress of my work, about the sources, and about news on the topic. I will also share some of my thoughts and ideas for discussion. In the main menu you can find information about my talks, papers, and monographs. Whenever possible I make my publications available electronically in open access under the creative commons license. Now, enjoy reading!

My first drawings of ancient charakteres

Image: My first attempt to gain an overview of the charaktêres by drawing each sign of each source individually.

 

A short Introduction

Charaktêres is the ancient term used for specific signs that were applied in contexts of interaction with higher powers. They are usually referred to as „magical signs“ or „Zauberzeichen“. The earliest evidence for their application is attested on a curse tablet from Athens dated to the late first cent. CE. By the second century the signs are attested all over the Roman Empire, from Great Britain to North Africa and Egypt, and from Spain to the Black Sea. One of the many fascinating facts about these signs is that they are still in use today. My research is focused on the Greek, Demotic, Latin and Coptic sources dated between the 1st and the 12th cent. CE.

The ancient sources in which the charaktêres appear include:

  1. Inscribed artifacts like papyrus and parchment amulets, gold, silver and copper lamellae, curse tablets, gemstones and instruments,
  2. Ritual instructions, in which the exact application of the signs and the ritual in which they are implemented in are described in detail (see: http://blog.charakteres.com/archives/615),
  3. Literary sources like Iamblichus et alii.

A screenshot of the very first statistical analysis back in 2009

Image: A screenshot of the very first statistical analysis back in 2009.